Mendieta-Torres’ Beitrag für Plattform ist ein Modell der Menschheit, inspiriert vom Vorgang der Zellteilung. Die performative Installation weitet sich auf dem Boden des Ausstellungsraums aus und lässt so die Besucher*innen automatisch Teil werden: Die zweiteilige Projektion bietet sich dem Betrachtenden aus der Vogelperspektive an, von der aus die menschliche Entwicklung wie durch einen Glasboden in der Stratosphäre beobachtet werden kann: Ein schrittweise zerfallender Rubicks Würfel symbolisiert die kollektive Menschheit, ein sich entwickelndes Gebilde von blauen Rechtecken die singuläre Entwicklung und Konditionierung eines beliebigen Subjekts (N). Die multiplen Identitäten, die eine Person gemessen auf einer menschlichen, geopolitischen oder planetären Skala annimmt werden dabei thematisiert. Die Beziehung zwischen dem menschlichen Selbstverständnis und monetärem Wert, wie auch Systeme der Wissensproduktion sind Teil der Recherche: Dabei sind Menschen als logische Wesen, die in einem System fehlerhafter Logik funktionieren definiert, die ihnen als Ersatznatur dient. Vor dem Lockdown konzipierte Torres-Mendieta ihre Installation als Landschaft, vor deren Hintergrund sie eine Performance plante. Die Künstlerin kontrastiert die Resultate ihrer theoretischen Recherchen oft mit physischer Präsenz. In ihren Performances spielt sie mit der Verzweiflung, von der Natur entfremdet zu sein und versucht sich dem Publikum in dieser Entfremdung durch ihre Performance zu nähern. Die aktuelle Situation verunmöglicht dies, weshalb ein Sockel Mendieta-Torres absenter Körper ersetzen muss und ihr Gesicht den Betrachter nur durch den Filter des Bildschirm adressieren kann.
Linda Lämmle