Äusserlich treten die Werke von Jon Merz minimalistisch, reduziert auf; inhaltlich jedoch greifen sie weit, die Grenzen des Objekts werden in den Raum und auf die Betrachter ausgedehnt. Die formal-ästhetische Reduktion birgt pragmatische Überlegungen des Künstlers: Seine Arbeiten sollen den Betrachtern als möglichst leicht zugängliche Werkzeuge dienen, um die werkimmanente Intention, eine Reflexion über Kunst und Kultur, erschliessen zu können. Das Werk als solches versteht Merz nicht als blosse materielle Illustration seiner künstlerischen Idee, sondern als ein offenes Trägerobjekt derselben, welches in unterschiedlichem Kontext funktioniert und mit den jeweiligen Räumlichkeiten und Arbeiten in einen Dialog tritt. Durch die Interaktion zwischen Material und Raum entsteht eine Dynamik, die wiederum neue Energien und Ideen zu generieren vermag. Auch der Rezipient trägt zu dieser offenen Produktivität bei, indem er das Werk ideell weiterführt – die Idee als Ausgangs- und Endpunkt in Jon Merz’ Oeuvre. Sein Schaffen bewegt sich prozesshaft in Richtung Entmaterialisierung, vom zentralen Interesse am Material und dessen physischen Grenzen hin zum Inhalt – der Idee als Skulptur. – Tina Balint