Isabelle Morton

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Isabelle Morton, *Tools for play* (working title); *Linger* (working title); *Come to terms* (working title); *10 pm* (working title); *Small study* (working title); *Model 2* (working title); 2025/2026. Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, Tools for play (working title); Linger (working title); Come to terms (working title); 10 pm (working title); Small study (working title); Model 2 (working title); 2025/2026. Dimensions variable. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, *10 pm* (working title), 2025/2026. Wood, cotton, staples, spray paint on plastic foil, tape, nails, 50 × 176 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, 10 pm (working title), 2025/2026. Wood, cotton, staples, spray paint on plastic foil, tape, nails, 50 × 176 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, *Linger* (working title) (detail), 2025/26. Wood, cotton, nails, acrylic and spray paint on plastic foil, tape, 35 × 162 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, Linger (working title) (detail), 2025/26. Wood, cotton, nails, acrylic and spray paint on plastic foil, tape, 35 × 162 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, *Tools for play* (working title), 2025/2026. Wood, paper, tape, coloured pencil, spray paint, acrylic on plastic foil, 36 × 161 × 7 cm; *Linger* (working title), 2025/26. Wood, cotton, nails, acrylic and spray paint on plastic foil, tape, 35 × 162 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Isabelle Morton, Tools for play (working title), 2025/2026. Wood, paper, tape, coloured pencil, spray paint, acrylic on plastic foil, 36 × 161 × 7 cm; Linger (working title), 2025/26. Wood, cotton, nails, acrylic and spray paint on plastic foil, tape, 35 × 162 × 6 cm. Photo: Finn Curry.

Die Arbeiten von Isabelle Morton bewegen sich zwischen Malerei, Skulptur und Display. Sie ordnen sich nicht ein und stellen sich auch nicht vor. Sie nehmen sich Zeit, verharren in der Probe. Weder Anfang noch Ende wird behauptet. 10 pm, Linger, Tools for play, Small study – sie alle bleiben Arbeitstitel, in Klammern gehalten wie ein Gedanke, der noch erprobt wird. Der Vorhang ist noch nicht ganz gefallen. Das Licht ist noch nicht ganz angegangen.

Die verwendeten Materialien sind vertraut und unprätentiös: Holzrahmen, wie sie üblicherweise zum Spannen von Leinwänden verwendet werden, Papier, Baumwolle, Bleistift, Gesso, Kunststofffolie, Nägel, Farbe und Sperrholz. Alles wirkt leicht, als liesse es sich jederzeit justieren oder neu positionieren. Und doch ist nichts beiläufig. Während das Englische draft häufig einen vorläufigen Schritt auf dem Weg zu etwas anderem bezeichnet, ist das Entwurfhafte kein Durchgangsstadium, sondern ein eigener Zustand. Ihm gebührt Zeit, Aufmerksamkeit und Entscheidung. Der Begriff Entwurf erscheint hier besonders treffend, da er ein offenes Angebot meint und nicht etwas, das auf Auflösung wartet. In Come to terms (working title) ist ein ausgerolltes, gezeichnetes Papierblatt lose an einen Holzrahmen geheftet. An den Ecken löst es sich von der Struktur, die es fixieren soll – zurückgehalten von überdimensionierten Nägeln, die kurz vor dem Versagen stehen. Die losen Ecken in 10 pm (working title) entfalten sich sanft in ihrer neu gewonnenen Freiheit aus dem Backstage- Bereich der Rückseite. Diese Gesten sind leise, aber entschieden.

Vor weisser Grundierung und hellen Trägern erscheint Braun weniger als Farbe denn als Spur und Evidenz. In Tools for play (working title) ist Kunststofffolie über Papier gespannt und weiss übermalt. Sie erinnert an das Versprechen von Neuheit in Verkaufsverpackungen, während die Spuren gemalter Fingerabdrücke darunter diese Vorstellung leise unterlaufen. Für Morton fliessen Eindrücke des Alltags – Gesehenes, Gelesenes, Gehörtes oder im Atelier Erlebtes – in die Arbeiten ein, ohne zu festen Themen oder wörtlichen Übersetzungen zu werden. Entscheidend ist dabei eine Form von Zuvorkommenheit: eine Haltung der Offenheit gegenüber der Umgebung bei gleichzeitiger Wahrung einer klaren inneren Logik. Dieser Faden zieht sich konsequent durch ihre Praxis. Er entsteht aus einem sich selbst wiederholenden Arbeitsprozess, in dem ein Werk organisch, wenngleich nicht linear, aus dem nächsten hervorgeht. Nichts ist zufällig, alles entwickelt sich aus Zufälligkeiten innerhalb formaler Setzungen.

Mortons Praxis ist in räumlicher Untersuchung verankert – sowohl in der sensiblen Art und Weise, wie die Arbeiten auf Architektur reagieren, als auch darin, wie Oberflächen selbst als Orte behandelt werden. Die Bildfläche wird zum Raum. Der Sockel verweigert sich der reinen Funktionalität und besteht darauf, selbst Gegenstand der Betrachtung zu sein. Malerei verhält sich wie Display, Display wie Skulptur – und die Arbeit beginnt, sich wie eine Bühne zu lesen. Eine Arbeit trägt eine kurze Textzeile. In der britischen Pantomime entsteht Bedeutung nicht allein auf der Bühne, sondern durch Unterbrechung, Widerspruch und das Zurücksprechen des Publikums. Die Erzählung bleibt offen und wird fortwährend in Echtzeit korrigiert und neu verhandelt. „Oh no it is not“. „OH YES IT IS“.

Jack Pryce
(Aus dem Englischen übersetzt)