Als mir Fabian Chiquet über Skype seine Arbeit an der raumgreifenden Installation zur PLATTFORM09 skizzierte, habe ich mir einen entrückten Discoraum vorgestellt, eine Totalumgebung gewissermaßen. In der Mitte des Raumes zerteilt eine Metallskulptur das farbige Laserlicht und rundherum sind auf Monitoren verschiedene Videos zu sehen, in denen Chiquet uns als hyperaktiver Tecktonik-Tänzer erscheint oder die Bilder der sich permanent auf youtube selbst dokumentierenden Hyphy-Party-Kultur Oaklands collagiert. Fabian Chiquet hat sein eigenes Tecktonik-Video auf youtube gestellt und von anderen Usern kommentieren lassen, um anschliessend diese mitunter recht ungnädigen Kommentare in einen neuen Elektro-Track einzusingen und dazu zu tanzen. Er re-performiert also zweimal; einmal um teilzuhaben an der Selbstvergewisserungspraxis der Tänzer, ein zweites Mal um die medial erzeugte Kollektivität wiederum in Moves umzuwandeln. Die Re-Performance ist vergleichbar mit dem Re-Enactment, das ganz allgemein die historisch korrekte Nachstellung vergangener gesellschaftlich relevanter Ereignisse bezeichnet und bei der die Zuschauer zu unmittelbaren Zeugen und manchmal sogar zu Teilnehmern werden. Fabian Chiquets künstlerische Re-Performances fokussieren die mediale Vermitteltheit des eigenen Erlebens: jeder Tecktonik-Move ist das Substrat kollektiver Aufführungsanalysen und Wiederholungen und dieser Prozess setzt sich in der Rauminstallation fort. – Dörte Ilsabé Dennemann