Es mag an der Reduktion des formalen Vokabulars auf einige geometrische Grundformen oder an der monochromen Farbgebung der Arbeiten liegen, dass diese an von Ausstanzungen übersäte Aluplatten oder stark erodierte Eisenscheiben erinnern. Vielleicht ist diese Assoziation auch nur die logische Konsequenz aus dem Dialog mit ihrem Umgebungsraum, auf den sich die Arbeiten einlassen. Sicher ist, dass sich die Sinnlichkeit und Sensibilität der filigranen Zeichnungen auf Papier von Evguenia Brugger erst auf den zweiten Blick erschliessen lassen. Die Schlichtheit der Grundformen des hauptsächlich mit Pastellfarbe bearbeiteten Papiers und der darauf angebrachten Aussparungen vereinfacht und intensiviert den Blick auf technische Feinheiten und das Zusammenspiel verschiedener Kräfte: die Form und der Grund, die Oberfläche und die Öffnungen, das Volle und das Leere.
Inspirationen für die formale Ausgestaltung ihrer Arbeiten holt sich Evguenia Brugger aus der Architektur und dem technischen Design. Sie geht dabei von real existierenden Bildern und Gegebenheiten aus, von denen sie sich während des Arbeitsprozesses entfernt, um sie in neue, autonome Formen zu übersetzen. Dennoch beinhalten die Arbeiten eine gewisse Realitätsnähe, die den Betrachter dazu verleiten können, den Arbeiten die Eigenschaften verschiedenster Materialien einzuverleiben und Reflexionen über den Umgebungs- und Präsentationsraum der Arbeiten anzustellen, um diesen immer wieder neu zu interpretieren. – Andreas Matte