Tereza Glazova

Plattform2024

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Feelings deluxe (Thilda and Kyu; Morea; Loli; Fabiola; Olivia and Nicole; Carlo, Kyu, Olivia and Nicole; Emma), 2024
© Claude Barrault

Feelings deluxe (Thilda and Kyu; Morea; Loli; Fabiola; Olivia and Nicole; Carlo, Kyu, Olivia and Nicole; Emma), 2024
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© Claude Barrault

Feelings deluxe (Thilda and Kyu; Morea; Loli; Fabiola; Olivia and Nicole; Carlo, Kyu, Olivia and Nicole; Emma), 2024

Tereza Glazovas Feelings deluxe ist eine Sammlung von Videoportraits, die sich zu einem ’anthologischen Muscial’ fügen. Mit Verweis auf das Genre des Anthologie-Films – Sammlungen unabhängiger Kurzfilme, die sich inhaltlich ergänzen – kokettiert das Stück anhand dramatischer Monologe, musikalischer Elemente und Tanz mit Musical-spezifischen Codes und Symbolen. Die der Arbeit zugrunde liegenden Untersuchungen widmen sich der Vermittlung authentischer Gefühle, wobei das Video eine Opulenz von Emotionen hervorbringen soll. Während das fieberhafte Scrollen von Videos auf Online-Plattformen den Rhythmus des zeitgenössischen Gefühlslebens orchestriert, sind wir eingeladen, uns zurückzulehnen und in ausgedehnte Sentimentalität einzutauchen.

Die Charaktere auf der Projektionsfläche sind Nicht-Akteurinnen, Freundinnen der Künstlerin, die in nach ihnen benannten Sequenzen auftreten, jede*r mit einer ganz eigenen Körpersprache. Alltagsszenen – Traumata, die sich am Esstisch entladen, das euphorische Tanzen zu einem Lieblingslied, die Verabschiedung eines geliebten Menschen am Bahnsteig, die Nachstellung einer Internet-Challenge – werden filmisch verewigt und ästhetisiert. Das Ergebnis ist eine Sammlung von POVs – wörtlich "Points of View" –, wobei jeder einzelne einen intimen Zugang zum Kamerablick der Künstlerin bietet. Die verschiedenen Sequenzen erzählen, jede auf ihre Weise, etwas über Körper der Gegenwart, von ängstlicher Selbstwahrnehmung bis hin zu allzu verführerischem Tanzen und dem Ausloten der eigenen körperlichen Grenzen.

Obwohl sie sich des Verfahrens des Cinéma-vérité bedient, stellt Glazovas Arbeit den Begriff der Authentizität in Frage: Echtheit ist immer eine Performance. Ihr Spiel mit der Wahrheit explizit inszenierter Situationen wird insbesondere durch den Einsatz digitaler Werkzeuge offenbart, die das projizierte Bild subtil verzerren; jede Illusion wird zerstört. Die Gegenwartskultur, deren Codes und Trends weitgehend von Algorithmen bestimmt werden, die digitale Inhalte generieren, wird hier in Zeitlupe vorgeführt und von der Künstlerin in einer Arbeit verfremdet, die die Hyper-Performance der Selbstinszenierung hinterfragt. Die im virtuellen Raum reproduzierten Gesten werden als unmittelbarer Ausdruck der Identität wieder angeeignet, um die eigene Zugehörigkeit zu markieren. Das globale Phänomen einer Internet-Challenge tritt hier in die Sphäre des Intimen.

Drakes Song "In My Feelings" - der Original-Soundtrack für die Kiki-Challenge, die von Loli bei Dämmerung performt wird - dient als Referenz für den Titel von Glazovas Arbeit - gefolgt vom dem Begriff "deluxe". Der Begriff "deluxe" wird üblicherweise für Neuauflagen von Musikalben mit erweitertem Inhalt verwendet. Feelings deluxe ist als eine stetig expandierende Videoserie konzipiert, die sukzessive durch zusätzliche Porträts ergänzt wird. Die Einmaligkeit von "deluxe" liegt dabei in der Intimität, zu der wir in diesen persönlichen Liebeserklärungen Zugang finden.

Monica Unser (Übersetzung aus dem Englischen, P24)