STELLA

Plattform2016

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STELL*A: Selbstleuchtkraft ☆ Distanz ☆ Gravität. Kaum eine künstlerische Position ist so schonungslos selbstsicher wie STELLA. Aufsässig ästhetisiert sie die Oberflächen des Konsums, der vermeintlich käuflichen Katharsis. Unbedingt konkret in ihrer Verwobenheit aus Kunstperson und Kunstgegenstand – bedingungslos STELLA. Beautyabteilungen dienen ihr als eine zentrale Inspirationsquelle. Flanierend werden Art und Weise der Produkteschau konsumiert. STELLA filtert Verbindungen zwischen den Gefässen in der Anordnung heraus; destilliert Körper und Codes als abstrahierte Formsprache im Kunstwerk. Dieses Visuelle eröffnet als Chiffrentransfer den ersten Berührungspunkt mit STELLAs Kunst. Was vorerst wie platter Kapitalismus-Chic wirkt, entwickelt in der Betrachtung ein Statement, in der das schauende ‚Ich’ des Betrachters objektiviert wird. Ein zentrales Moment, das STELLA in ihrer Diplomarbeit an der ZHdK verarbeitete. Als INSTELLATION fügen sich auf unbehandelter Baumwolle gespachtelte Linien zusammen. Aus der Nähe unbestimmbar laufen sie in der Distanz auf drei mal zehn Metern zu einer monumentalen Landschaft der Desiderate zusammen. Schwarz auf Beige konturiert dabei einen grafischen Ort der Imagination, in dem sich seriell produzierte Parfums in den ihnen zugeschriebenen Flakons türmen. Der gestalterische Gestus ist dabei schnell, unmittelbar. Eine Malweise, die kein Missgeschick erlaubt – das Textil saugt im Moment des Auftragens alles auf. Ein schmaler Produktions-Zeitraum, der mit dem statischen Sujet der Konsumträumerei korreliert: Die Looks der Kulturindustrie sind nicht in einer realistischen Farbenpracht wiederzufinden, sondern als Oxymoron aus dem Schillernden in ein archaisch Grafisches übersetzt worden. Hier verliert sich der Blick in einer mehrwertsteuerfreien Illusion als imaginierter Duty-Free-Shop. Kosmopolitisch, grenzenlos, frei. Ob nun die im Hintergrund dargestellte Anzeigetafel der Abflugzeiten als Deixis menschlicher Präsenz gelesen werden könnte; der Raum bleibt menschenleer. Neben den Gütern haben andere Subjekte in STELLAs Heterotopie keinen Platz. Weder im imaginierten Duty-Free-Shop, noch in den abgelichteten Nippes-Landschaften goldener Obelisken, Katzen, Pferde und noch weniger in den fotografischen Selbstporträts. Der Betrachter wird in einer lähmenden Entfremdung zurückgelassen. Er nimmt Teil an einem Spiel des strategischen Settings. Ein Spiel der Kunst als Fest des Kapitalismus, der Serialität, des Einschreibens von STELLA als STELLA, als STELLA... im intrastellarischen Kosmos der INSTELLATION, dionysischen Ikone und Konsum-Fetischistin in Camp-Manier. – Alexandra Loser