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Nino Baumgartner sagt, die Arbeit mit dem Raum und der Umgebung liege in seiner Natur. In früheren Werken äusserte sich dies durch skulpturale Raumuntersuchungen, indem er auf Materialien wie Holz, Glas oder Metall bis zu dessen Grenzen einwirkte: Er testete Stützpunkte und die Widerstandsfähigkeit aus, spannte die Materialien zu Zeichnungen im Raum. Die eingehende Auseinandersetzung mit seinem Basismaterial und die Interaktion mit der Umgebung ist ebenso ein zentraler Punkt seiner Maneuver. Baumgartner bezeichnet seine Aktionen, die sein Schaffen der letzten Jahre bestimmt haben, bewusst nicht als Performances. Die Taktik eines Manövers, dessen Rhythmus, Organisation, Transport und Bewegung sowie die Stadien von Vorbereitung, Training, Ablauf, Auswertung und Präsentation der Resultate faszinieren ihn. Bestandteile davon adaptiert er für seine Aktionen: Ein Ausstellungsraum oder eine Umgebung werden analysiert und auf mögliche Interventionsorte geprüft. Die Aktion selbst ist ein teils geplanter, teils zufälliger Aktivzustand. Danach sind in den Ausstellungen meist nur noch das Resultat, Spuren und Indizien, sichtbar. Dies betont die Bedeutung des Arbeitsprozesses in seinem Schaffen. Baumgartner untersucht in diesen Aktionen Grundbedürfnisse und seine eigenen physischen Grenzen in oft einfachsten Handlungen. Diese Annäherungen passieren nicht selten in der Ästhetik des Extremsports. So entstanden beispielsweise die Zeichnungen bei Wax Maneuver (2012) durch einen Motorradreifen, für seine Videoaufnahmen benutzt Baumgartner eine Go Pro-Kamera.
Baumgartner versteht sich als eine Art Landschaftsmaler, jedoch ohne zu malen und ohne fixen Standort. Für die während des Alpes-Maritimes Maneuver (2011) entstandenen Arbeiten, bei dem er mit seinem roten VW Polo die Alpen von Neuchâtel nach Nizza traversierte, war die Vorstellung seiner selbst auf der Suche nach dem ‹Erhabenen› der Antrieb. Am deutlichsten wurde es in The Hunt (2012): In dem auf der Suche nach dem Ur entstandenen Werkkomplex aus Video, Fotografie, Zeichnungen und Relikten brachte er wie Caspar Wolf oder Giovanni Segantini die Landschaft mit der Technik des Kaltnadelradierens auf eine Kupferplatte. Kunstgeschichtliche Referenzen finden sich ebenso in Baumgartners Schaffen wie das Ausprobieren von Überlebensstrategien in der Wildnis. – Ba Berger (2013)