Der Raum, den Nicolas Cilins für seine Arbeit Simulation (2008) verwendete, war mit Holz verkleidet und überraschend niedrig. Das Gebäude, in dem man sich befand, verfügte ansonsten über hohe, helle Räume; wer aber Simulation betrat, wurde plötzlich von einem Gefühl der Beklemmung befallen. Nicolas Cilins hatte jeden bewegbaren Gegenstand aus dem Zimmer entfernt, unsichtbare Lichtkästen, die er zwischen Fensterscheiben und Rollläden installiert hatte, verbreiteten ein gleichmässiges, fahles Licht, und ein nicht lokalisierbarer Summton akzentuierte die Enge des unproportionierten Raums. Cilins Eingriffe waren äusserst schlicht, doch erreichte er es, den Betrachter in einen surrealen Raum zu überführen und ihn dem Gefühl einer unbestimmten Ratlosigkeit auszusetzen. Die Tatsache, dass der gleiche Künstler in seiner Video-Arbeit Happy Christmas, Mum and Dad! (2006–2008) nackt im weihnächtlich geschmückten Wohnzimmer vor den Augen seiner Eltern mit einer Micky-Mouse-Stimme den Pop-Hit Don’t stop me now singt und dazu wild tanzt, lässt aufhorchen. Die Bandbreite und die Bereitschaft zum Experimentieren sind ebenso charakteristisch für die Arbeit von Nicolas Cilins wie ihre Treffsicherheit. Durch eine rätselhafte Kombination und Manipulation von Alltagssituationen und -bildern bricht Cilins unsere Sehgewohnheiten und stellt unseren Erwartungen ein Bein. Der Betrachter wird verunsichert und mit einer Realität konfrontiert, die er nicht einfach konsumieren kann, sondern die ihn fragend anblickt. – Marcel Bleuler