Manuela Libertad Morales Delano

Plattform2023

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Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, Plattform23 at Espace Arlaud Lausanne, 2023

Manito de Guagua: Economics of the Clock, 2023

Zeit ist Macht. Es scheint naheliegend, diese eingängige und doch vielschichtige Gleichung in den Mittelpunkt Manuela Libertad Morales Délano’s Werk Manito de Guagua: Economics of the Clock zu stellen. Sei es das Läuten der Glocken, mit dem die christliche Autorität Gläubige seit dem Mittelalter zum regelmässigen Gebet aufruft, die Entstehung eines europaweit vereinheitlichten Zeitmesssystems durch die Entwicklung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert oder aber die durch den Kapitalismus angetriebene Kopplung unseres Lebensrhythmus an vorgegebene Arbeitszeiten – es gibt viele historische Episoden, die Zeit als Kontrollmittel der Herrschaft über ihre Subjekte erkennen lassen. In ihrer für Plattform23 entwickelten Installation setzt die in Chile aufgewachsene Künstlerin das Augenmerk speziell auf die Rolle von Zeit im Rahmen imperialistischer Eroberungszüge in Südamerika. Durch diese und insbesondere durch die Arbeit von Missionar*innen, wurde die Vorstellung einer Welt, die im Takt eines einzigen Paukenschlags marschiert über den Atlantik getragen und zuvor mehrstimmige saisonale, an Feierlichkeiten gebundene oder gar kosmischen Zeitlichkeiten ausgelöscht: Zeit spielte eine entscheidende Rolle bei der Aussaat der ersten Samen einer europäischen Kulturordnung und trug zur Etablierung bis heute anhaltender globaler Machtverhältnisse bei.

In unmittelbarer Nähe zum Glockenturm der Lausanne Kathedrale, scheint Manuelas sonnenartiges Zifferblatt daran zu erinnern, dass Uhren nicht die Zeit anzeigen, sondern lediglich eine Zeit. Den gierigen und zeitklaubenden nach unten gerichteten Manitos de Guagua setzt die Künstlerin geballte Fäuste entgegen, welche auf den vielerorts gemeinschaftlich geleisteten Kampf um die Befreiung der Zeit gegen Marktgesetzt und Nationalismus verweisen. Die aus Weizen und Salz mit unterschiedlicher Backdauer produzierten Laibe erlauben dabei eine Analogie zwischen Zeit und Getreide als Träger globaler Machtverhältnisse herzustellen. In dem sich Manuela von der klassisch zwölftaktigen Einteilung eines Zifferblattes distanziert, wirft sie die Frage auf, welche Gestalt die Uhr annehmen würde, wenn sie eine andere Zeitlichkeit anzeigte. Wessen Definition von Zeit würde sie folgen?

Selma Meuli

[1] «Manito de Guagua» (wortwörtlich: Kinderhand) wird in Chile umgangssprachlich verwendet, um Gier zu bezeichnen.

Brot

Photo credits: Margot Sparkes