Lorenzo Lunghi

Plattform2022

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15 minutes of invisible light, ego self service (auto-sabotage of the self), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

15 minutes of invisible light, ego self service (auto-sabotage of the self), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

ego self service (auto-sabotage of the self), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

ego self service (auto-sabotage of the self), Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

15 minutes of invisible light, Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

15 minutes of invisible light, Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

15 minutes of invisible light, Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

15 minutes of invisible light, Plattform22 at Kunsthalle Palazzo Liestal, 2022

Oft hab ich die Not des Lebens gefunden:
einmal war’s ein gurgelnder, gestauter Bach,
einmal war’s ein dürres, eingerolltes Blatt,
einmal war es ein Pferd, das zusammensackte.
Gutes erfuhr ich nicht, als nur in dem Wunder,
wie es die Götter wahllos erschaffen:
da war’s die Statue im leichten Mittagsschlafe,
die Wolke war es und in der Höhe ein Falke.
– Eugenio Montale

Lorenzo Lunghi präsentiert eine Installation mit verschiedenen Skulpturen, die direkt auf dem Boden platziert sind. Eine weitere Skulptur hängt direkt von der Decke herab und erinnert so an die Form und Funktion eines Kronleuchters.

Die Komposition der Skulpturen auf dem Boden, die der Künstler als Selbstporträt versteht, gleicht einem Skelettfund. Dies zeugt von einer dunklen, intimen und viszeralen Seite der menschlichen Psyche; dem Gefühl, bis auf den zerbrechlichen Kadaver entblösst zu sein; ein Gefühl, das ein Symptom einer Summe von Ängsten ist, die unsere entfremdete kapitalistische Gesellschaft hervorbringt. Ein Körper, der vom neoliberalen Triebwerk, das immer schneller wird, verbrannt wurde. Was bleibt, sind Knochen und ein abgenutztes "Ich", wie die Knochen eines Tintenfisches, der an einem Strand zerschellt ist.

Das Licht des von der Decke herabhängenden Kronleuchters ist potenziell gefährlich für die Haut und die Augen des Menschen, wenn es eingeschaltet ist. Das Licht ist jede Nacht während fünfzehn Minuten von der Strasse aus sichtbar und den Innenraum der Kunsthalle. Die Lichtquelle verwendet UVC-Strahlen, reinigt die zur Sterilisierung von Räumen entwickelt wurden und Bakterien und Viren abtöten. Sie verschlingt und neutralisiert alles, was sich in ihrer Nähe befindet. Das Design der Lampe erinnert an die Form einer Drohne und steht im Kontrast zur Architektur des Raums, sodass sie als eine Art infrastruktureller Parasit erscheint. Die Arbeit 15 minutes of invisible light unterstreicht den Aspekt der Gier der Verbraucher:innen, die vielleicht ein Opfer des Systems selbst sind. Unsere Augen sind daran gewöhnt, eine Vielzahl von Bildern in wenigen Sekunden zu verdauen und verlangen ungeduldig nach immer mehr und mehr.

Mit seinem Werk zeigt uns Lunghi seine Sichtweise auf die conditio humana und das Paradox des neoliberalen Systems. Die Not des Lebens, die sich anfühlt wie ein gestauter, gurgelnder Bach.

Noemi Pfister

Photo credits: Guadalupe Ruiz