In einer Reihe angeordnet, präsentiert die Serie von Kartonboxen furchteinflössende, sich abspielende Szenarien. Zwischen scharfsinniger, sozialpolitischer Analyse der modernen westlichen Welt und dystopischer Vision ihrer erdenklichen Zukunft, fertigt Claire van Lubeek hypothetische Schauplätze des Verbrechens, Szenen der Schundliteratur und apokalyptische Szenarien, die die Brutalisierung des Lebens durch materielle Bedingungen nachempfinden, die eine patriarchalische, neoliberale und westzentrierte Logik erzeugen. Es handelt sich nur um Spekulationen – zumindest scheint es dieses kleine Modell so zu suggerieren, das zwischen uns und dem unserem Blick preisgegebenen Objekt einen angenehmen Abstand wahrt. Doch dieser Eindruck vermeintlich spürbaren Komforts ist nur eine Täuschung: Das Gefühl von Erhabenheit ist in unserer Zeit fehl am Platz, durchlaufen wir doch alle denselben gesellschaftlichen Prozess, der zu Zeiten der Globalisierung kein «Aussen» mehr kennt. Weder entbindet uns ein «auf Distanz halten», noch schützt es uns. Es macht aus uns nur Voyeure, und im Endeffekt Komplizen. Durch das Adoptieren visueller, der Ästhetik von Horror, gore und camp entlehnter Strategien schafft Claire van Lubeek Mikrokosmen, die die konstruierte Realität, in der wir leben, widerspiegeln und enthüllen. Die Entscheidung für die Rohfassung des Modells Claire van Lubeeks steht im Gegensatz zur traditionellen Abgrenzung zwischen den westlichen Schönen Künsten und den lange unterschätzten sogenannten «minderwertigen» Kunstformen, die von den angewandten Künsten bis hin zu Handwerk und dekorativer Kunst reichten: Domänen von Frauen und nicht-westlichen Kulturen – den wahren Unterdrückten der Moderne.
[Übersetzt aus dem Französischen]