Cédric Eisenrings künstlerisches Werk ist an kein bestimmtes Medium gebunden; das Experimentieren mit Formen ist ihm wichtig. Dennoch darf die Zeichnung – oder vielmehr das Zeichnen als Arbeitsprozess – als eine Art Hauptstrang in seiner Arbeit bezeichnet werden. Mittels des digitalen Zeichnens schafft Eisenring Ausgangspunkte, um die andere Dinge oder Arbeiten zirkulieren können. Den Zeichnungen liegen unterschiedliche Inspirationsquellen zugrunde: E-Books, Filme, Stills, Märchen, Geschichten. Oft generiert Eisenring seine Ideen oder Werke aus diesen Zeichnungen, oder aber sie entfalten sich als eigenständige Arbeiten.
Inhaltlich und konzeptuell umkreist Cédric Eisenrings Werk immer wieder Fragen nach dem Status der Realität. Sein Interesse gilt dabei dem Moment, in dem die eigene Wahrnehmung in Narrationen übergeht und dem Potenzial der Kunst, Realität zu verhandeln, zu imitieren oder mir ihr zu brechen. In seinen Installationen fordert der Künstler mit raumgreifenden und oftmals ortsspezifischen Dispositiven die Wahrnehmung der BetrachterInnen heraus, indem er mit Zeigen und Verbergen spielt und tradierte Wahrnehmungsmuster verunsichert. Auch an der PLATTFORM 15 sehen wir als BetrachterInnen nicht, was sich auf dem hohen Tisch befindet. Der Sehsinn als «Königssinn» der Kunstbetrachtung und des Erkenntnisgewinns gewährt keinen Verlass. Während der Tisch – stark vergrössert – seinen Status als alltägliches Gebrauchsobjekt ablegt und die Beziehung zum Raum neu verhandelt, basiert der Körper des daran angebrachten Weihrauchfasses auf dem Grundriss des Ausstellungsraums, der sich zu einer fiktiven Stadt entwickelt. Es beinhaltet damit die stark verkleinerte Version eines architektonischen Gefüges. Zudem dient das Turibulum dazu, den Raum zu reinigen. Als zeremonielles Objekt macht das Gefäss, ähnlich wie in der Kirche, auf etwas aufmerksam, das man nicht sieht. Durch die entfremdeten Modelle erzeugt Cédric Eisenring eine Fiktionalisierung des Raumes. Mittels eines dichten Referenzsystems befragt der Künstler das vermeintlich Reale, wie den architektonischen Raum, das sakrale oder das alltägliche Objekt, als kulturell kodierte Konstruktionen. – Barbara Biedermann (2015)
In den wiederkehrenden, nur leicht voneinander unterschiedenen Ansichten von spiegelnden Fassaden, Werbeplakaten, von wehenden Flaggen etc. geht es weniger um die Wiedergabe der Gegenstände und Architekturen selbst, als vielmehr um ein grundsätzlicheres formales Interesse und die Frage, wie die Objekte und Architekturen den öffentlichen Raum gestalten und prägen, beziehungsweise wie sich die Umgebung in ihnen und über sie abbilden lässt. In den rhythmischen Wiederholungen der Bilder spiegelt sich das (kritische) Nachdenken darüber, was öffentlicher Raum bedeutet und wie er besetzt wird durch Anliegen ganz unterschiedlicher Parteien. Eine Verbindung zwischen den Fotografien und Videos, die Eisenring in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit Thomas Julier produziert hat, und den Computerzeichnungen, findet sich in den kleinen Silikonobjekten (Icons of Evolution). Die amorphen Formen bilden eine logische Verknüpfung zwischen dem Rhythmischen und Analytischen der Fotos und Videos und der Formen- und Zeichensprache der Computerbilder, die einer Welt des Virtuellen, der Superhelden, des Utopischen, des ikonisch Überstrapazierten und visuell beliebig Veränderbaren angehören. – Reto Thüring (2011)