Die Beschäftigung mit Zeichen und Spuren stellt in Bernhard Hegglins Werk eine zentrale Form des künstlerischen Ausdruckes dar. Holzstücke, Gips- oder Kartonelemente erinnern an gefundene Objekte, gezeichnet durch die Spuren einer früheren, unbestimmten Nutzung. Mit Bleistift oder eingefärbtem Gips gefertigte Wandzeichnungen duplizieren mal tatsächlich vorgefundene Spuren, mal hinterlassen sie neue Zeichen. Der künstlerische Gestus, die konkrete Autorschaft bleiben unbestimmt. Die Intervention des Künstlers oszilliert zwischen den bereits vorhandenen und den neu gesetzten Spuren, Beginn und Ende des künstlerischen Prozesses sind uneindeutig. In der anlässlich von PLATTFORM11 konzipierten Installation verdichten sich diese Themen. Die Oberfläche der Platten ist überaus empfindlich, die bei Transport und Aufbau entstehenden Kratzer sind intendiert und Teil des künstlerischen Prozesses. Der einst an die Platte gelehnte Gipsstab hat auf dem Weiss der Wand ebenso ein Zeichen hinterlassen, wie seine zerbrochenen Einzelteile nun am Boden eine Spur bilden. Der ausschliesslich vom Künstler gesteuerte Gestaltungsprozess wird unterlaufen und der Zufall, das Unvorhersehbare, erhalten eine plötzliche Relevanz. – Gioia Dal Molin