www.sei-personaggi-part2.ch
www.harddisko.ch
Valentina Vuksic fokussiert sich auf Geräusche ausrangierter Computerelektronik. Ein Vorläufer der aktuellen Computerinstallation ist die Harddisko, ein Orchester aus Festplatten. Computertechnik ist die Ausgangslage für Vuksic und bestimmt den Ausdruck ihrer Installationen. Dennoch rücken für Zuschauer und Zuhörer weiterführende Momente in den Vordergrund. Ihr zentrales Anliegen ist es, die Eigenheiten des Materials zu nutzen, um sie in einen dramaturgischen Kontext zu betten. Die Künstlerin untersucht das Digitale über Tonabnehmer und präpariert Hardware- und Softwaremodule für ‹Stücke in Computern›; eher eine Art des Modulierens, als des Programmierens. Vuksic arbeitet heute an Sei Personaggi Part 2, einer Weiterentwicklung ihrer Diplomarbeit. Das experimentelle Computerstück ist angelehnt an Luigi Pirandello’s Schauspiel von 1921 Sechs Personen suchen einen Autor. Die sechs Bühnenfiguren werden von je einem Computerprogramm gespielt. Die Programme lesen Text aus dem Manuskript von Pirandello und setzen ihn in steuernde Befehle an die anderen Programme um. Mikrofone in den sechs Rechnern verstärken die originären Geräusche der Prozessierung und machen den sich entwickelnden maschinischen Dialog hörbar. Vuksic betrachtet den Takt des Prozessors (CPU) und den Raum des Arbeitsspeichers (RAM) als fiktive Bühne, die sie zu inszenieren versucht. Die Künstlerin transponiert Computerelektronik in eine theatrale Umgebung und lässt die Prozesse ihre eigenen Geschichten erzählen. Sie interessiert sich für eine maschinistische Ästhetik, die sich oft an der Grenze des Darstellbaren bewegt. Was ursprünglich als Umsetzung des Pirandello-Stückes gedacht war, hat sich in der Zwischenzeit zu einem Kommentar zu Pirandellos Werk entwickelt und kann als selbstreflexive Kritik gelesen werden. Die Anstrengung der Figuren ein Stück zu finden, rückt in den Mittelpunkt und weiterhin wird die, nun elektronische, Darstellbarkeit der Figuren in Frage gestellt. – Diana Pavlicek