A Media Dummy: Air, Earth, Fire, and Water, 2023
TaeHwan Jeons Multimedia-Installation A Media Dummy: Air, Earth, Fire, and Water schreibt sich in die anhaltende Auseinandersetzung des Künstlers mit hypothetischem Denken und seine kritische Erkundung des gesellschaftlichen Potenzials von Techno-Utopien ein. In loser Anlehnung an Donna Haraways Konzept der Speculative Fabulations, folgt TaeHwan der Aufforderung, zwischen Wissenschaft und Fiktion Blindstellen zu identifizieren und eine Praxis des Weltenschaffens zu entwickeln. Welche Zukunftsszenarien sind möglich? Welche Formen des Interagierens werden wir dafür aus der Gegenwart mitnehmen und welche nicht? Und vor allem, wie werden sie vermittelt? In einer Zeit, in der die parallelen Realitäten des digitalen Raumes und deren Anonymität zunehmend zur Wirklichkeit werden und damit Verspottung, Verrat, Verleumdung und Übertreibung zu gängigen Umgangsformen verkommen, macht sich TaeHwan insbesondere in Bezug auf die Relation zwischen Fakt und Fiktion für einen (selbst)reflexiven Umgang mit unserer oberflächlichen Medienproduktion stark. Keines der gezeigten Videos existiert tatsächlich online, doch die (ironischen?) Einflüsse des Internets sind offensichtlich: Temporärer Tod, permanente Verzweiflung, grosse Liebe mit grossem Scheitern, herzzerreissende Tragödien und Erfolg auf dünnem Eis.
Darüber hinaus führt TaeHwan in seiner Installation eine Auseinandersetzung mit dem Bildschirm als Ausdrucksform und künstlerisches Medium fort. Bildschirme sind es, die als Bindeglied – oder Übersetzer – zwischen der digitalen und der physischen Welt agieren. Bildschirme – sogenannte Liquid Cristal Displays – sind es, die dem Numerischen und Immateriellen eine amorphe Präsenz in der Welt des Materiellen verleihen, sie zu vermeintlich greifbaren Mediatoren in unserer Gesellschaft machen.
Selma Meuli
Mehrkanal-Videoinstallation, loop