Linn Nora Henz ist eine Künstlerin, die zunächst im Bereich Film ausgebildet wurde. Anschliessend studierte sie Visuelle Künste an der HEAD – Genève sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss ihr Studium 2025 mit einem Masterabschluss ab.
Im Rahmen ihres Projekts für die Ausstellung Plattform26 entwickelt Henz eine Intervention, die in einen Dialog mit dem Kontext tritt, in den sie eingeladen ist. Sie besuchte das KBCB und wohnte in einem der Zimmer, die den vor Ort arbeitenden Künstler:innen zur Verfügung stehen. Bei einem Rundgang durch die technische Werkstatt fiel ihre Aufmerksamkeit auf Würfel aus expandiertem Polystyrol und auf die expressiven Qualitäten ihrer Oberflächen. Der technische Leiter Paolo Merico erläutert, dass er diese Objekte nach dem Ende einer Ausstellung übernommen habe, in der sie Teil eines Kunstwerks waren, um seine Arbeitsabläufe in der Werkstatt zu erleichtern. Die modularen Körper dienten seither als Unterlagen für Schnitte, Malerarbeiten und den Transport sperriger Materialien im Zusammenhang mit nachfolgenden Ausstellungen der Institution. Vom 19. Februar bis 17. Mai 2026 werden diese „Sagex“-Objekte ihren Platz in den Galerien des ersten Obergeschosses wieder einnehmen. Die Künstlerin verleiht ihnen den Status von Skulpturen, versieht sie mit einem Titel, arrangiert sie und nimmt minimale Eingriffe vor. Während dieser Zeit bleiben sie vollständig der technischen Abteilung zur Verfügung und werden nach Ende der Ausstellung wieder in die Werkstatt zurückgeführt.
Der Titel Stumme Diener, verweist auf das gleichnamige Möbelstück. Gemeint ist ein Objekt, das eine menschliche Haushaltshilfe ersetzt, in dem Moment, in dem der Anspruch auf einen bestimmten Lebensstil die verfügbaren Mittel übersteigt. Während des Aufbaus nutzte Henz die Sockel im wörtlichen Sinne ihres Titels, indem sie diese anstelle eines mobilen Kamerastativs einsetzte. Während der Montage aller beteiligten Künstler:innen ist Henz anwesend und hält den Aufbau der Ausstellung filmisch fest, indem sie dessen Ablauf wie ein Drehbuch verfolgt. Eine visuelle Reproduktion dieser Momente ist ebenfalls Teil der Installation. Sie zeigt ein Behind the Scenes von Plattform26, das sich zwischen Fiktion und para-ausstellungsbezogenem Dokument verortet.
Die Künstlerin griff zudem zur Kamera, um den „schönsten“ der sechs Sockel im Gästezimmer des KBCB zu inszenieren. Diese Fotografie wurde als Postkarte produziert, in Zusammenarbeit mit der Institution realisiert und ist kostenlos an der Rezeption erhältlich.
Aus ihrer filmischen Ausbildung heraus hat Henz ein besonderes Interesse, ja eine Form von Faszination, für die Mechanik der Bildproduktion entwickelt. In Reaktion darauf eignet sie sich professionelle Geräte spielerisch an und passt sie an ihre eigenen Mittel an. Die von Linn Nora Henz verwendeten Materialien sind häufig geliehen, getauscht, zurückgegeben oder am Ende ihrer Projekte weiterverkauft. Dieser Umgang macht die Produktionsbedingungen und deren Ökonomie zu einem integralen Bestandteil ihrer Arbeiten. Henz produziert, wie sie lebt. Verwurzelt in einer ausgeprägten literarischen Sensibilität, werden ihre Arbeiten formal durch Gesten bestimmt. Indem diese zu Zeichen werden, legen sie das offen, was die Künstlerin als „die performativen Mechanismen des Lebens“ bezeichnet, oder ermöglichen eine Neu-Lektüre von Objekten und Bildern aus einer Perspektive, die auf Doppeldeutigkeit und Ambiguität des Dargestellten insistiert.
Katia Leonelli
(Aus dem Französischen übersetzt)