Jonas Etter bedient sich in seinen jüngsten Arbeiten eines Materials, das für gewöhnlich in einem anderen Kontext zum Einsatz kommt als für die Kunstproduktion. Aus gebranntem Zucker imitiert der Künstler mit viel Humor und Ironie einen Tisch, einen Kanister oder eine Tafel und entkontextualisiert damit die Gegenstände; erschafft gleichsam neue Inhalte. Sobald der flüssige Zucker in die entsprechende Form gegossen wird, erstarrt dieser und erinnert kaum noch an das Ausgangsmaterial. Auch für die dreidimensionale Werklegende einer seiner Arbeiten verwendet Jonas Etter das vielseitige Material und löst damit einen selbstreflexiven Diskurs über seine Kunst, das Kunstsystem sowie die klassischen Gattungen aus. Die raffinierte Art und Weise des Zitierens gewinnt an ironischer Reichweite, weil gebrannter Zucker unter Einwirkung von Luftfeuchtigkeit seine Konsistenz verändert, langsam zu schmelzen beginnt und wieder den flüssigen Aggregatzustand annimmt. Eine Lache breitet sich über den Sockel aus und greift in den Raum. Dadurch schwindet die Grenze zwischen Objekt und Umgebung und gleichzeitig wird die Frage aufgeworfen, ob es sich dabei um eine Skulptur, Malerei oder eine Performance handle. Die Beschaffenheit der sinnlichen, schwarz schimmernden Oberfläche wirkt hochgradig artifiziell und erinnert eher an einen Kunst- als an einen Nährstoff. Man möchte mit den Fingern diese wunderschön glänzende Oberfläche haptisch wahrnehmen und die Sanftheit spüren. Die Begierde geht so weit, die Kunstwerke für die Ewigkeit konservieren zu wollen, was jedoch nicht den Materialeigenschaften entspricht. Durch die zyklische Veränderung und die Vergänglichkeit seiner Arbeiten nähert sich Jonas Etter mit eigenen Beobachtungen einem grossen Thema der Kunstgeschichte. – Natalia Huser