Esther Schena dringt in ihren gemalten Bildern in fremde Interieurs ein und sammelt leise, fragile Momentaufnahmen. Teilweise wie von einem Blitzlicht eingefangen, erinnern ihre Arbeiten an Trompe-l’œils oder fotografische Schnappschüsse; den vergänglichen Moment des Zufälligen baut sie dabei bewusst mit ein. Beim näheren Hinschauen jedoch erschliesst sich dem Betrachter eine sorgfältig konstruierte Komposition, die oftmals auch Melancholie ausstrahlt. Die Bilder kratzen sanft an der Oberfläche des idyllischen Alltags und bergen nicht selten unangenehme Perspektiven. Leise Kritik dringt im Bild Fernsehaltar (2007) durch, in dem ein wohl ernährter Porzellanengel über den Fernseher wacht, während die Nachrichten laufen, und Tag für Tag neue Katastrophen verkündet werden. Doch schlussendlich geht es der Künstlerin viel eher um die stille Beobachtung des Alltäglichen als um zeitkritische Anmerkungen. Trotz fehlender Personendarstellungen setzen sich in ihren Bildserien Stück für Stück intime Portraits zusammen. Hinterlassene Spuren und Gegenstände, mit denen sich Menschen bewusst umgeben, oder Gegenstände, die hinter Türen vor fremden Augen versteckt werden, zeichnen Charaktere nach und vermitteln persönliche Einblicke. Der Schrank, Arbeitsthema ihrer neuesten Serie, bietet insofern viel Raum für die Erkundungen des Intimen und Alltäglichen. Inspiriert wurde Esther Schena unter anderem durch die Erzählung Der Kleiderschrank von Thomas Mann, laut Untertitel eine Geschichte voller Rätsel, aber auch von symbolischen Ableitungen und eigenen Erfahrungen. Ausgehend von diesem Schrankmotiv, per definitionem ein verschlossenes und dadurch geheimnisvolles Objekt, spinnt die Künstlerin weite Fäden und holt den Betrachter in eine stimmungsgeladene Bilderwelt hinein. – Charlotte Matter