Ein zentrales Thema in Beat Lipperts künstlerischem Schaffen ist die Rekonstruktion. Und weil rekonstruieren immer auch eine Rekontextualisierung bedeutet, wird die Übersetzungsarbeit des Künstlers, die Übertragung als aktiver Prozess und damit das Verhältnis von Ausgangs- und Endpunkt einer jeden Rekonstruktion stets mitverhandelt. Der Stein steht dafür stellvertretend auf verschiedene Weise: In seiner ganzen unverrückbaren Monumentalität – der Berg, über Jahrmillionen geformt, scheinbar immer schon da gewesen und eben doch gewachsen – als Werkstoff, der zerkleinert, geformt, sogar verflüssigt und wieder verhärtet werden kann oder auch als Dokument von Geschichte, das vermittels seiner Robustheit die Spuren der Zeit zwar mitträgt, ihnen aber auch widersteht. Auf (geformtem) Stein stehen nicht nur die Mauern unserer Museen, der Stein selbst ist Inhalt vieler musealer Inszenierungen. Beat Lippert bezeichnet sein Praktikum beim archäologischen Institut in Frauenfeld als wichtige Erfahrung in Bezug auf seine künstlerischen Interessen. Eine Methode, um historisch bedeutsame Originale archäologischer Ausgrabungen zu schützen, ist deren Duplikation. Während die Kopie als Platzhalter dem Betrachter dafür dienen soll, Geschichte zu rekonstruieren und damit wieder erlebbar zu machen, bleibt das Original geschützt im Verborgenen. Die Rekonstruktion des Originals lässt jedoch nicht alleine Duplikate entstehen sondern verändert den Status des Originals selbst.
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Reto Thüring