Sophie Nadler und Etienne Eisele

Sophie Nadler und Etienne Eisele ist ein Duo aus Zürich. Direkt nach ihrem Bachelorabschluss in Bildender Kunst an der Kunsthochschule Luzern (HSLU), zeigen sie bereits eine beachtliche konzeptuelle wie formale Reife. Seit 2020 entwickeln sie.–.getragen von einer engen Freund.schaft.–.ihre Zusammenarbeit, vor allem in den Medien Installation, Performance und Video, konsequent weiter.

Das Duo verkörpert ziemlich wortwörtlich den Leit.satz: „Jede künstlerische Praxis ist auch eine soziale Praxis.“ Zur Vorbereitung auf Plattform25 tauchten die beiden in die Stadt Neuenburg ein. Sie besuchten Museen, beschäftigten sich mit bestimmten Aspekten der städtischen Geschichte und traten in Dialog mit den Anwohner*innen. Dabei richtetesich ihr Interesse rasch auf die Überbleibsel der Schokola.denfabrik Suchard, die Anfang des 19. Jahrhundert. im Aus.senquartier Serrières gegründet wurde. Diese zeugt nicht nur von der industriellen und kolonialen Vergangenheit der Region, sondern prägt bis heute das architektonische Erbe des Vororts am See.

Sophie Nadler und Etienne Eiseles Recherche führte sie bis zur ehemaligen Cité Suchard, einer Arbeiter*innensiedlung aus dem späten 19. Jahrhundert. Bei ihrem Besuch begegneten die beiden Kunstschaffenden einem Bewohner– dem Sohn eines ehemaligen Fabrikarbeiters. In seinem Garten schlägt bis heute eine bescheidene Pflanze in einem der letzten erhaltenen Relikte des Unternehmens Wurzeln: ein original Schmelzkessel von Suchard, der einst zum Mischen von Schokolade verwendet wurde.

Der historische Kessel bildet den Kern der Arbeit Post Production (2025). Seine wuchernden Zweige erzählen von vergangener Zeit und der Reise eines Objekts–wiederent.deckt, manchmal vergessen, aber immer geschätzt. Eines ist sicher: Der Kontrast zwischen dem rohen Erscheinungs.bild des Kessels und seinem „Sockel“.–.der gar keiner ist.!.– fällt auf. Eine glänzende Verpackung, die einem buchstäblich das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt – wie eine Schokoladenwerbung vor dem Nachtisch. Kurz gesagt: ein kleines Geschenk – verführerisch und doppeldeutig zugleich.

Weit gefehlt, dass die beiden auf Charlie und die Schoko.ladenfabrik anspielen wollten und dennoch muss ich unweigerlich daran denken. Du allerdings magst es frei inter.pretieren. Wie Willy Wonka spielen auch Sophie Nadler undEtienne Eisele mit dem Moment der Überraschung und haben dafür mehr als einen Trick auf Lager. Ein kleiner Hinweis.: Während der Vernissage, halte die Ohren offen!

Spoiler-Warnung: Am Abend der Vernissage wird ein unsichtbarer Chor auf.treten. Dies wurde nicht öffentlich angekündigt. Versteckt in den Wänden des CAN, performt ein Chor ein Lied aus seinem eigenen Repertoire. Mit feiner Ironie und stillem Humor spielt das Duo mit dem Unerwarteten, dem Unbeha.gen, und mit der Spannung, die durch soziale und räumliche Normierung entsteht.

Hall wird in Zusammenarbeit mit S.C.A.T. Super Choeur au Taquet realisiert.

Katia Leonelli (Aus dem Französischen übersetzt)