Der ständige Kampf zieht die Konturen eines Spiels nach, dessen Regeln niemand vollständig kennt. Aleyna Günay (lebt und arbeitet in Zürich) untersucht die Dynamiken von Kontrolle und Effizienz in einem Umfeld, das von Leistungsanforderungen geprägt ist. Dabei bezieht sie sich sowohl auf die Geschichte der Skulptur und der Konzeptkunst als auch auf die Paradigmen der Postmoderne und interessiert sich für die semantischen Funktionen von als banal wahrgenommenen Objekten. Günay entwickelt eine kritische Perspektive auf das zeitgenössische westliche Ethos, indem sie Arbeitsregime in ihren sowohl mühsamen als auch ökonomischen Dimensionen betont.
In Untitled (Commodity-Form) (2025) haben die Reitsport-Hindernisse ihren Gebrauchswert als einfache
sportliche Elemente verloren. Sie werden zu abstrakten Markierungen eines Systems, das Körper formt und einzwängt. Für Günay wird das Pferd, das durch die Logik des Wettbewerbs diszipliniert und getaktet wird, zur Metapher für ein menschliches Subjekt, das sich in einer Umgebung bewegt, in der Optimierung nicht nur obligatorisch, sondern unvermeidlich ist. (So sehr man sich auch dagegen stellt, es ist unmöglich, ihr vollständig zu entkommen.) Wie in jeder Struktur, die von Produktivität bestimmt wird, müssen diese Körper Regeln befolgen, Erwartungen anderer Körper (dem Publikum) entsprechen und sich den Anforderungen des Spektakels anpassen. Sie sind entfremdet in einer endlosen Performance.
Günay überträgt diese Überlegung auf das Feld der zeitgenössischen Kunst. Ihres charakteristischen Farbtons beraubt, verwandelt sich die Hindernisse durch ihre scheinbare Neutralisierung – ein Echo des White Cubes, der sie enthält – in Signifikanten eines umfassenderen Mechanismus. Die Künstlerin inszeniert die Logiken von Inklusion und Exklusion, die die Systeme der Unterscheidung prägen und deren Auswirkungen auf individuelle Lebenswege. Untitled (Commodity-Form) hinterfragt die Spannungen, die das Feld abgrenzen : Differenzierungsstrategien, Machtverhältnisse, der Kampf um Sichtbarkeit und die Auseinandersetzungen um Eingliederung in ein System, in dem jede Person versucht, ihren Platz zu behalten oder einen neuen zu schaffen.